Gibt es Shangri-La wirklich?
Shangri-La gibt es nicht. Das Tal stammt aus dem Roman „Lost Horizon“, den James Hilton 1933 veröffentlichte. Trotzdem suchen Menschen seit Jahrzehnten nach dem Ort, und eine Gegend in China trägt heute sogar offiziell seinen Namen.
Hilton beschreibt ein verstecktes Tal im Himalaya, in dem die Menschen in Frieden leben und kaum altern. Auf Deutsch erschien das Buch zuerst als „Irgendwo in Tibet“. Der Hollywoodfilm von 1937 lief hier als „In den Fesseln von Shangri-La“.
Als Vorbild wird oft das Hunza-Tal im Norden Pakistans genannt, nahe der Grenze zu China. Manche glauben, Hilton habe die Gegend vor dem Schreiben besucht. Die abgelegene Lage, die hohen Berge und die als besonders langlebig geltenden Bewohner passen zur Geschichte. Handfeste Belege für eine direkte Verbindung gibt es aber kaum.
Den kühnsten Anspruch erhob China. Am 17. Dezember 2001 wurde der Kreis Zhongdian in der Provinz Yunnan offiziell in Shangri-La umbenannt. Die Lokalregierung hatte zuvor jahrelang „Belege“ gesammelt. Die Umbenennung war eine Tourismusstrategie, und sie ging auf: Die Besucherzahlen stiegen stark. Seit 2014 ist Shangri-La eine Stadt.
Andere Theorien verorten Shangri-La in Tibet, Sichuan oder Nepal. Forscher, die Hiltons Beschreibungen mit echten Landschaften verglichen haben, halten Yunnan für den besten Treffer. Hilton soll Artikel des Forschungsreisenden Joseph Rock im Magazin National Geographic gelesen haben. Die Suche selbst ist längst Teil der Legende: Shangri-La könnte überall sein und ist nachweislich nirgends.