Was ist ein Kastratensänger?
Ein Kastrat war ein Sänger, der vor der Pubertät kastriert wurde, damit seine hohe Knabenstimme erhalten blieb. So verband er den hellen Klang eines Jungen mit dem Lungenvolumen und der Kraft eines erwachsenen Mannes.
Kastraten waren im 17. und 18. Jahrhundert die Stars der europäischen Oper. Die großen Arien verlangten kräftige, bewegliche Stimmen, und Kastraten sangen Töne so hoch und so lang, wie es kein anderer Mann konnte. Viele Rollen wurden eigens für sie geschrieben. Auch Georg Friedrich Händel, geboren in Halle, holte für seine Londoner Opern den Starkastraten Senesino.
Einige Kastraten wurden zu Superstars ihrer Zeit und verdienten enorme Summen. Der bekannteste war Farinelli, der 1734 ganz London in Aufregung versetzte. Andere blieben namenlos und litten ihr Leben lang unter den Folgen des Eingriffs.
Im 19. Jahrhundert verschwand die Praxis. Im neuen Königreich Italien war die Kastration ab 1861 verboten. 1903 legte Papst Pius X. fest, dass in Kirchenchören keine Kastraten mehr singen sollten. Der letzte Kastrat, Alessandro Moreschi, durfte trotzdem bleiben und sang bis 1913 im Chor der Sixtinischen Kapelle. Von ihm gibt es Tonaufnahmen aus den Jahren 1902 und 1904. Die Rollen, die einst für Kastraten geschrieben wurden, singen heute Countertenöre oder Frauen in Hosenrollen.